Vitra Campus Teil 4: Fuller lädt ins Zelt

Großes Zelt, große Anrichte

Wann haben Sie das letzte Mal gezeltet? Wir heißen Sie heute zu unserem vierten Teil über die architektonischen Höhepunkte des Vitra Campus´ in Weil am Rhein bei Basel willkommen und möchten Sie nach der Tankstelle von Jean Prouvé, dem Feuerwehrhaus von Zaha Hadid und dem Konferenzpavillon von Tadao Ando dazu einladen, ein Zelt zu betreten. Denn auch ein solches findet sich auf dem Staunen machenden Vitra Campus in Weil, den wir mit unserer kleinen Serie unseren Lesern und Kunden näherbringen möchten, um zu zeigen, dass Vitra nicht einfach nur ein Hersteller exzellenter Möbel ist, sondern auch ein architektonisches Projekt von weltweiter Anziehungskraft. Wir haben an schönen, sonnigen Wintertagen den Vitra Campus besucht, und vielleicht wecken unsere unregelmäßig erscheinenden Beiträge auch in Ihnen die Lust, nach Weil zu reisen. Es lohnt sich!

Nun, kehren wir also dem beeindruckenden Ando-Bau den Rücken und begeben wir uns nach Westen. Dort sehen wir eine weiße Kuppel, die von einem geometrischen Gestänge gehalten wird. Die Kuppel nimmt ob ihrer auffällig runden Form eine Sonderstellung auf dem Vitra Campus ein – denn ein Gebäude ist sie im strengen Sinne nicht. Tatsächlich sehen wir hier ein Zelt vor uns. Es ist der Dome. Der Dome ist eine Zeltkonstruktion des amerikanischen Architekten Richard B. Fuller, die mit naturfarbenen Holzbohlen ausgelegt ist und deren einziger Einrichtungsgegenstand am Tage unseres Besuches in einer langen, geschwungenen Anrichte bestand. Der Dome ist nicht beheizt, weshalb sich Außen- und Innentemperatur die Waage halten – allein die Sonnenstrahlung vermag, den Innenraum ein wenig aufzuwärmen.
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Geometrie für Vitra

Mathematisch gesprochen ist der Dome auch kein Zelt, sondern eine geodätische Kuppel. Geodätische Kuppeln sind Kuppelkonstruktionen, deren Oberfläche in Dreiecke abstrahiert wird. Diese Dreiecke können mit statischem Material wie Glas oder elastischem wie einer Zeltplane ausgefüllt oder eben, wie im Falle des Domes, als tragende Struktur für ein darunter befindliches Material verwendet werden. Das trigonometrische Gerüst des Domes besteht aus Aluminiumstangen, die für einen schnellen Auf- und Abbau durch ein Stecksystem verbunden sind. Geodätische Kuppeln sind im Vergleich zu konventionellen Gebäuden wesentlich erdbebensicherer, bieten eine konstante Sonnenbestrahlung sowie die Möglichkeit, Fenster an beliebigen Stellen anzubringen. Die Kuppel auf dem Vitra Campus kommt ganz ohne Fenster aus. Genutzt wird der Dome für Ausstellungen und Veranstaltungen aller Art.

Der amerikanische Architekt, Erfinder und Konstrukteur Richard B. Fuller (1885-1983) war ein Pionier dieser geodätischen Kuppeln, die er ab den 1940ger Jahren systematisch weiter entwickelte. 1954 ließ er sich das Konstruktionsprinzip patentieren, den endgültigen internationalen Durchbruch feierte er 1967 mit einem geodätischen Kuppelbau für die EXPO in Montreal. Radarkuppeln und Planetarien dürften seitdem zu den bekanntesten Fällen zählen, in denen geodätische Kuppeln zur Anwendung kommen. Der Dome auf dem Vitra Campus entstand 1975 und wurde 1978 in Detroit als Autosalon genutzt. Rolf Fehlbaum, ein Sohn des Vitra-Gründer Willi Fehlbaum, erstand den Dome 2000 auf einer Auktion und ließ diesen als weitere Architekturattraktion auf dem Vitra Campus wieder aufbauen. Von Stund an hat der Dome erheblichen Anteil an der architektonischen Heterogenität des Vitra Campus, wie er auch zur Anziehungskraft beiträgt, die viele Besucher aus aller Welt und auch uns Jahr für Jahr nach Weil am Rhein zieht. Vielleicht ja bald auch Sie?

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