Vitra Campus 6: Letzte Runde

Chronologische Reihenfolge bei bestem Wetter

Auch der schönste Urlaub neigt sich irgendwann seinem Ende entgegen – wenngleich unsere Reise nach Weil am Rhein doch dienstlicher Natur war, so war es dennoch eine wunderschöne Reise, an deren bleibenden Eindrücken wir Sie hier in unserem Blog in Text und Bild teilhaben lassen möchten. Vielleicht motiviert Sie unser kleiner Reisebericht dazu, selbst nach Weil aufzubrechen, um die architektonischen Meilensteine des Campus in Augenschein zu nehmen, als da beispielsweise wären die berühmte Tankstelle von Prouvé, das postmoderne Feuerwehrhaus von Zaha Hadid, das meditative Konferenzzentrum von Tadao Ando, die geodätische Kuppel von Richard B. Fuller, die individuellen und doch funktionalen Produktionshallen von Nicholas Grimshaw, Frank O. Gerhy, Álvaro Siza und SANAA.

Diese sechste Folge ist die letzte unseres Spaziergangs über den Vitra Campus in Weil am Rhein. In etwas geraffter Form  wollen wir mit Ihnen noch einmal den Blick auf drei der vielen Highlights werfen; zum Abschluss wären das die Balancing Tools von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen, das Vitra Design Museum von Fank Gehry sowie das Vitra Haus von Herzog & de Meuron. Schreiten wir diese Ausstellungsstücke – ja, der Vitra Campus ist eine einzigartige Freiluftausstellung visionärer Architektur – also noch einmal in chronologischer Reihenfolge und bei bestem Wetter ab!

Kunstobjekte auf dem Vitra Campus 1

Überdimensioniertes zum 70. Geburtstag

Machen wir Halt bei den Balancing Tools, die Claes Oldenburg mit seiner Frau Coosje van Bruggen realisiert hat. Sie stehen unübersehbar im Eingangsbereich auf der Wiese zwischen Gehrys Design Museum und Andos Konferenzzentrum und lassen den Betrachter staunen. Wer sonst nicht besorgt ist, dass ein im Blickfeld befindliches Objekt in sich zusammenfallen könnte, wir spätestens jetzt im Angesicht der Balancing Tools die Sorge tragen, dass diese Ihre Balance verlieren könnten.

Aber nein, die zur Schau gestellte Fragilität ist natürlich nur eine scheinbare, denn Zange, Hammer und Schraubendreher sind fest miteinander verschweißt. Sie sind die Werkezuge des Polsterers, einem alten Beruf, der in traditionell sehr enger Verbindung zur Möbelproduktion steht. Diese überdimensionierte Werkzeugskulptur war ein Geschenk, das der Vitra-Gründer Willi Fehlbaum von seinen Kindern zum 70. Geburtstag bekommen hat. Standen die Werkzeuge seit Ihrer Aufstellung 1984 erst nahe den Produktionshallen, sind sie nun am wesentlich repräsentativeren Platz nahe der Geländezufahrt zu finden.

Kunstobjekte auf dem Vitra Campus 2

Feuchte Hände

Direkt hinter den Balancing Tools, sozusagen im Rücken unserer Fotografie, findet sich das Vitra Design Museum – auch dies ein Bau, der mit Auffälligkeiten nicht gerade geizt. Das Vitra Museum ist wie auch die angrenzende, architektonisch ähnliche Produktionshalle ein Gebäude von Gehrys Gnaden – erbaut 1984 –, dessen Formensprache in Deutschland beispielsweise durch den umstrittenen Zollhafen in Düsseldorf bekannt geworden ist. Nicht nur nicht unumstritten, sondern geradezu gefeiert ist das Vitra Design Museum, dessen mutige Melange aus Kuben, Rampen, Türmen, geraden und geschwungenen Linien ein Magnet für Architekturenthusiasten aus aller Welt ist.

Das Museum beherbergt die große Möbel- und Stuhlsammlung, die im Laufe der Jahrzehnte bei Vitra entstanden ist. Auf zwei Etagen werden sämtliche Entwurfs- und Produktionsepochen von Vitra gezeigt, und darunter finden sich nicht wenige Vintage-Stücke, bei denen jeder leidenschaftliche Sammler feuchte Hände bekommt. Neben dem Museum gibt es seit 2003 ein kleines Nebengebäude, die Vitra Design Museum Gallery – ein Anbau zur Pforte, die den Eingang zum Campus markiert. In dieser Galerie befand sich zunächst der Museums Shop (heutzutage im Vitra Haus zu finden), mittlerweile sind dort kleinere Ausstellungen und wechselnde Projekte zu sehen.

Kunstobjekte auf dem Vitra Campus 3

Es gibt noch viel zu sehen

Zu guter Letzt gilt es, zumindest aus der Ferne, einen abschließenden Blick auf das Vitra Haus zu werfen, das den Vitra Flagshipstore beherbergt. Wie auf unserer Fotografie zu sehen, besteht das Vitra Haus (2010) genau genommen aus mehreren Häusern, die miteinander und aufeinander verbaut sind. Mit ihren Giebeldächern sind diese Häuser eine lang gestreckte, schlanke Variante einer ursprünglichen Hausform; gebaut von den Pritzker-Preisträgern Jacques Herzog und Pierre de Meuron (bekannt als Herzog & de Meuron). Das Vitra Haus misst knapp 22 Meter in der Höhe und ist damit das höchste Gebäude des Campus, von wo aus sich nicht nur dieser, sondern auch die gesamte Umgebung bis hin zur Stadt Basel in Augenschein nehmen lässt – das Panorama ist deshalb so nachhaltig beeindruckend, weil die Stirnseiten der Häuser vollständig verglast sind und nachts eine markante Lichtkulisse abgeben.

Jede Reise kommt an ein Ende. Auch diese. Wir hätten Ihnen noch so manches zeigen können – die Bushaltestelle von Jasper Morrison, die Diogene von Renzo Piano oder den Airstream Kiosk –, aber auch wir haben bei unserem Besuch nicht alles sehen können. Vielleicht ist das für Sie ein Anreiz, einmal selbst die Reise nach Weil am Rhein anzutreten, um dem Vitra Campus einen Besuch abzustatten. Er ist es wert. Sie werden staunen, wie auch wir gestaunt haben. Vielleicht haben wir Sie ja mit unserer Begeisterung ein wenig anstecken können. Es freute uns sehr!

Heute bestellt - morgen geliefert. Cairo!

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlich! Erforderliche Felder sind markiert *