Original oder Fälschung? Teil 5: Der Vitra Alu Chair

Im fünften Teil unserer Serie möchten wir Ihnen beschreiben, wie ein Original seine letztendliche Gestalt erhält. Nachdem wir in den vier vorangegangen Teilen unserer Serie zum Thema „Original oder Fälschung?“ die Problematik der LEM-Fälschungen vorgestellt haben, Authentizitätsmerkmale an Thonet- und Classicon-Möbeln aufgezeigt sowie Cassina zum großen Jubiläum gratuliert haben, möchten wir heute aus der Endmontage eines anderen großen Möbelherstellers berichten: Vitra. In Weil am Rhein bei Basel verlassen Vitra-Möbel die Hallen, um als Designklassiker in den Handel zu gelangen. Wir haben uns die Endmontage eines Stuhl aus der berühmten Aluminium Group angeschaut.

Vitra Aluminium Chair: 30 Jahre Garantie für einen Klassiker

Die lizenzierte und also rechtmäßige Produktion eines Designmöbels – das Original ist strenggenommen der allererste Entwurf, der zumeist im Museum steht und für den durchschnittlichen Interessenten wohl kaum zu bezahlen wäre (es ist ohnehin kein Museum denkbar, dass einen Eames-Entwurf weiterverkaufen würde) – geschieht zumeist abseits der Öffentlichkeit; dass eine Offenlegung der Produktionsmethoden und verwendeten Materialien nicht im Sinne des Herstellers ist, ist nur allzu verständlich. Umso besser, dass wir im Rahmen eines Besuches auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein – hier können Sie ausführliche Berichte über unseren Besuch dieses faszinierenden Architekturparks lesen – die Möglichkeit bekommen haben, zwar nicht die Gesamtproduktion, so jedoch die Endmontage eines absoluten Klassikers beizuwohnen: des Vitra Aluminium Chairs von Charles und Ray Eames.

Vitra Alu Chair Besucherstuhl

 

Vitra übernahm 1957 die Produktionsrechte für die Herstellung von Eames-Möbeln in Europa von Herman Miller, der bis heute als Hersteller von Eames-Mobiliar in den USA zeichnet. Treten Sie also ein, in eine der Produktionshallen von Nicholas Grimshaw und staunen Sie mit uns, mit welch raffinierter Montagetechnik ein Stuhl entsteht, auf dessen Gestell Vitra eine Garantie von 30 Jahren gewährt. Nun lassen Sie sich das einmal auf der Zunge zergehen: 30 Jahre Garantie. Im Vergleich zu den sonst üblichen Garantiezeiten nehmen sich die 30 Jahre geradezu absurd aus, aber exzellente Qualität ermöglicht eben auch exzellenten Kundenservice, von der davon bewirkten Wertstabilität ganz zu schweigen.

Endmontage von Hand

Hier, in der emsig-angenehm geschäftigen Geräuschkulisse der Grimshaw-Halle, werden die Einzelteile einer Büromöbel-Legende in ihre finale Form gebracht. Der Aluminium Chair, kurz und bündig einfach nur Alu Chair genannt, war ursprünglich als Sitzmöbel für den Außenbereich geplant, und zwar für das Haus des amerikanischen Industriellen Joseph Irwin Miller in Columbus, Indiana. Die ersten Prototypen dieser damals noch Leisure Group genannten Möbelserie sind 1958 aus der Taufe gehoben worden. Das grundlegende Konstruktionsprinzip dieser Stühle zeichnet sich durch eine textile Sitzschale aus, die nahtlos in die Rückenlehne übergeht und zwischen zwei Aluminiumprofile eingespannt ist. Durch horizontale Nähte wird der Stoff ausgesteift und ein „Durchsitzen“ verhindert. An den Enden von Rückenlehne und Sitzfläche ist der Stoff aufgerollt, um den Sitzkomfort nicht durch eine harte Kante einzuschränken. Rückenlehne und Sitz sind aus einem Stück hochfrequenzverschweißter Polstereinheiten gefertigt; im Rücken- und Sitzbereich verstärken Spangen die Spannkonstruktion. Die Seitenprofile und Spannbügel sind im Aluminium-Druckguss gefertigt, ebenso die Armlehnen. Das Untergestell ist ein 4-Sternfuss aus ebengleichem Material.

Alu Chair von Vitra im Cairo Online-Shop

Doch was augenscheinlich einen simplen Eindruck macht, ist faktisch ziemlich ausgeklügelt und in der Montage erheblich trickreich – denn ein Aluminium Chair wird tatsächlich im Handumdrehen – eine gern bemühte, aber doch meist ziemlich leere Floskel – zusammengebaut. Die Sitzbespannung wird maschinell in die Seitenteile des Gestells eingearbeitet. Dann werden die Aluminiumprofile von Hand nach innen gedreht, so dass sich die Bespannung über die Außenkante der Profile wölbt. Im nächsten Schritt werden die Spangen eingesetzt – und jetzt müsste man schon Gewalt aufbringen, wenn man die gespannten Aluminiumprofile und die Sitzbespannung wieder auseinanderbringen wollte. Nun werden der Fuß des Stuhls sowie die Armlehnen anmontiert – und fertig ist einer der bekanntesten Designklassiker der Neuzeit.

Das beschriebene Verfahren gewährleistet, dass Sie auf einem Originalmöbel sitzen. Plagiate sind zumeist schon daran zu erkennen, dass die Sitzbespannung die klassischen Lamellen und die entwurfsgetreue Vielschichtigkeit vermissen lassen. Schärfen Sie Ihre Sinne! Ein echter Aluminium Chair ist schon optisch und haptisch zu erkennen. Die in der Regel minderwertige Ausführung eines Plagiats sollten Sie sich nicht nur aus Gründen der Ästhetik nicht antun, sondern vor allem auch aus Gründen den Sicherheit!

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2 Antworten auf „Original oder Fälschung? Teil 5: Der Vitra Alu Chair“

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich habe eine Frage bezüglich des Eams EA 117.
    Mir wurde dieser Bürostuhl gebraucht als Original angeboten. An dem Stuhl scheint auch alles korrekt zu sein.
    Nur das einzige was mich irritiert, dass an der Rückenlehne bei dem Label (Etikett) das kleine „r im Kreis (®)“ fehlt.
    Es steht „The authorized original vitra“ und nicht „The authorized original vitra ®“ auf dem Label.

    Kann es sich um ein Original handeln auch ohne ®?

    Über eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frank

    1. Liebe Frau Frank,

      vielen Dank für Ihre Anfrage! Um eine absolut verbindliche Antwort auf Ihre Frage, ob der Ihnen angebotene Bürostuhl Eames EA 117 ein Original von Vitra ist, zu erhalten, empfehlen wir Ihnen, den Produktservice von Vitra zu konsultieren, denn die Unterschiede zwischen einem Original und einer Fälschung lassen sich auf Bildern nicht immer erkennen – und schon gar nicht ohne eine direkte Inaugenscheinnahme beurteilen. Setzen Sie sich deshalb bitte über das Kontaktformular mit dem Vitra Produktservice in Verbindung. Sie werden dann von einem Vitra-Spezialisten kontaktiert. Falls anhand Ihrer Digitalfotos nicht ersichtlich ist, ob es sich um ein Original handelt, ist eine Prüfung durch einen autorisierten Partner oder im Werk in Weil am Rhein möglich. Die anfallenden Kosten für Abholung und Rücklieferung der Produkte sowie weitere Aufwände werden Ihnen von der Firma Vitra in Rechnung gestellt. Den Vitra Produktservice erreichen Sie über das Kontaktformular unter https://www.vitra.com/de-de/contact/contact-product-service. Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen weitergeholfen zu haben!

      Viele Grüße
      Xaver von Cairo.de

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