Le Corbusier. Möbel für die Ewigkeit

Wer einmal drin gesessen hat …

Sinn und Unsinn gehen häufig Hand in Hand. Das ist bei Möbeldesignern nicht anders als bei nachhaltig schöpferischen Malern, Architekten, Bildhauern, Stadtplanern oder anderen kulturell prägenden Figuren (Le Corbusier war all dies und noch viel mehr). Zu behaupten, dass Charles-Édouard Jeanneret-Gris eine zwar umstrittene, aber dennoch schöpferische Figur war, wäre untertrieben – zu stark fallen bei dem, der sich selbst den Namen Le Corbusier gegeben hat, Ablehnung und Verehrung, Genie und Manie, Innovation und Halluzination ineinander, zu groß war sein künstlerischer Ausstoß, als dass die Emotionen und Debatten um sein Schaffen mehr als vierzig Jahre nach seinem Tod abgeebbt wären. Unsinnig ist beispielsweise die Aussage, alle Häuser sollten von Gesetzes wegen weiß sein. Solche bizarren Forderungen trugen aber nicht unerheblich zur Bekanntheit Le Corbusiers bei – ebenso wie die sinnvollen und sinnlichen Möbelstücke, die Le Corbusier zur Welt gebracht hat. Er war ein Besessener, hat sich zu einem der bedeutendsten Architekten der Neuzeit „gebaut“ und wirkt als solcher über seinen Tod hinaus.

Wie nur wenige andere hat Le Corbusier auch das Design des 20. Jahrhunderts geprägt, und wie bei nur wenigen anderen war die Rezeption seines Werkes von Spaltung gekennzeichnet. So wagte die (Pop-)Kulturzeitschrift Spex anlässlich einer Le-Corbusier-Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau seinerzeit die These, dass sich „jedes Bauwerk Corbusiers als Verfehlung analysieren, seine Malerei als eine Kopie Picassos entlarven, sein Möbeldesign als klobige Versionen Marcel Breuers interpretieren und seine Schriften als widersinnige Polemiken abtun“ ließen. Eine mutige Infragestellung eines kreativen Kopfes, dessen theoretisches Werk und praktisches Wirken aus der Architekturgeschichte und nicht zuletzt dem Sortiment unserer Cairo AG nicht mehr wegzudenken sind. Aber umstritten zu sein heißt nicht, auch bewundert zu werden. Auch wir können uns der Faszination seiner Entwürfe nicht entziehen. Warum auch? Wer einmal in einem seiner Sessel gesessen hat … aber der Reihe nach.

Corbusier LC2

LC2. Sitzen wie Gott in Frankreich

Charles-Édouard Jeanneret-Gris stammt aus La Chaux-de-Fonds im Schweizer Kanton Neuenburg. Nach der Schule durchläuft er eine Lehre zum Gravierer und Ziseleur, neigt zur Malerei, macht eine Ausbildung zum Architekten an der Ecole d’Art in seiner Heimatstadt und begeht ausgedehnte Studienreisen. Sein Pseudonym verwendet er, seit er sich in Paris als Architekt und Innenausstatter niedergelassen und um 1920 gemeinsam mit dem Publizisten Paul Dermée die avantgardistische Zeitschrift „L’Esprit Nouveau“ gründet. Die Gründung der Zeitschrift und das Pseudonym sind eine Zäsur. Von nun an beginnt Le Corbusier zusätzlich zu seiner Arbeit als Architekt, seine Ideen und Visionen in Büchern, Vorträgen und Zeitschriften zu verbreiten.

Sein erstes Pariser Büro richtet Le Corbusier mit seinem Vetter Pierre Jeanneret ein, die ersten Architekturentwürfe werden noch unter dem Namen Charles-Edouard Jeanneret realisiert. Eine Dekade lang arbeitet im neu gegründeten Büro auch die berühmte Innenarchitektin Charlotte Perriand, die maßgeblich an den Entwürfen Le Corbusiers mitarbeitet und die wie auch Jeanneret als Designerin gleichberechtigt neben ihren ungleich berühmteren Kollegen auch in unseren Katalogen genannt wird. Gemeinsam entwirft das Trio Möbelstücke, die bis heute von ihrer zwanglosen Eleganz und zeitlosen Modernität nichts eingebüßt haben. So gelten die Sessel und Sofas aus der Serie LC2 als einige der wegweisendsten Entwürfe der Bauhaus-Ära. Die kubischen Sitzmöbel scheinen mit ihren Stahlrohrrahmen auf den ersten Blick „einfache“ Entwürfe zu sein, die vielen raffinierten konstruktiven Details bieten jedoch mit üppigen Lederbezügen einen unvergleichlichen Sitzkomfort. Sitzen wie Gott in Frankreich, möchte man da sagen, und dass dieser Stuhl tatsächlich schon 1928 aus der Taufe gehoben wurde, ist auch kaum zu glauben.

Corbusier LC4

LC6 und LC4. Von schwebenden Tischplatten und Liegegestellen

Wer Sofas baut, schreckt auch vor Tischen nicht zurück. Der ebenfalls von Le Corbusier / Jeanneret / Perriand erdachte Tisch LC10-P ist ein Entwurf, der in seiner Form schlicht und in seiner Materialität auf zeitlose lebenslange Nutzung ausgelegt ist – ganz so, wie auch die Formgebung nicht veraltet. Die Tischplatte besteht aus Kristallglas und wird getragen von verchromten Stahlbeinen und einem mattschwarz lackiertem Stahlrahmen. Lieferbar ist der Tisch in zwei Größen: Als Rechteck oder Quadrat. In diesen Tisch-Entwürfen deuten sich bereits gestalterische Prinzipien an, die Le Corbusier später auch auf seine Architektur überträgt und in seinen „Fünf Punkten zu einer neuen Architektur“ formuliert. So betont das Modell LC6 die Trennelemente zwischen tragendem Gestell und Tischplatte. Wie die Tischplatte über dem Gestell, so scheint auch bei manchen Häusern von Le Corbusier das Flachdach (Le Corbusier baute grundsätzlich keine Steildächer) über den tragenden Wänden zu schweben.

Die scheinbare Schwebe ist ein Gestaltungsprinzip, das auch bei der Liege LC4 (alle von 1928) zum Tragen kommt. Mit dieser Liege beschäftigt sich Le Corbusier am längsten, bevor sie ihre endgültige Form erhält. Sie gilt mittlerweile als einer der ultimativen Möbelentwürfe aus der Feder von Le Corbusier, wenngleich Jeanneret und Perriand gleichermaßen ihren Anteil daran haben. Die LC4 geht formal auf die Chaiselongue zurück und besteht aus zwei separaten Elementen: dem Untergestell und dem Sitz- oder Liegegestell. Dadurch kann die Sitzfläche kontinuierlich über das Untergestell gleiten und jede Neigung einnehmen. Die LC4 hat ihren festen Platz in der Designgeschichte des 20. Jahrhunderts – und wird beständig qualitativ minderwertig imitiert. Das Original bzw. die rechtmäßigen Produktionen stammen ausschließlich vom italienischen Möbelhersteller Cassina. Designklassiker und hochqualitative Möbel sind für Cassina – man kann es gar nicht anders sagen – das täglich Brot. Das traditionsreiche Unternehmen mit Sitz im Mailand wurde 1927 von den Gebrüdern Cesare und Umberto Cassina gegründet. Cassina hält bis heute exklusiv die Rechte für die originalgetreue Fertigung von Designklassikern namhafter Gestalter wie Charles R. Mackintosh, Frank Lloyd Wright, Charlotte Perriand und nicht zuletzt Le Corbusier.

Corbusier LC6

Neue Architektur oder mathematische Bequemlichkeit?

Wenngleich wir Ihnen keine Häuser von Le Corbusier anbieten können und leider auch nicht in einem Corbusier-Gebäude arbeiten, so darf doch das architektonische Vermächtnis des Le Corbusier nicht unerwähnt bleiben – steht dieses doch, siehe Tischplatte, in einem engen Verhältnis zu seinen Arbeiten als Designer. In seinen „Fünf Punkten zu einer neuen Architektur“ formuliert Le Corbusier seine Grundsätze, nach denen (1.) nur mit einem Gerippe-ähnlichen Stahlbeton gebaut wird („Stahlbetonskelettbau“), weil auf diese Weise auch säulengestütze Häuser gebaut werden können, (2.) nur Flachdächer gebaut werden, damit die Dachfläche als Garten genutzt werden kann, (3.) die Grundrissgestaltung auf jedem Geschoss durch den Stahlbeton und die fundamental tragende Säulenkonstruktion völlig frei von statischen Erwägungen bleibt (Wände haben bei Le Corbusier keine tragende Funktion), (4.) Langfenster verbaut werden, weil diese die Räume wesentlich besser beleuchten als Hochfenster und (5.) die Fassaden frei gestaltet werden können, weil das Dach über diese hinausragt und die Fassade also kein tragendes Bauteil mehr darstellt.

Im Ergebnis sind derartige Gebäude problematisch, weil sie teilweise nachträglicher Umbauten und ungeplanter Sanierungen bedürfen. Im indischen Chandigarh ist dem dortigen markanten Justizgebäude ein Flachbau aus Sichtmauerwerk angefügt, weil die Architektur den tatsächlichen Nutzungsgewohnheiten des Gebäude nicht genüge tut. Auf Kritik stößt auch der Modulor, ein Proportionsschema, das Le Corbusier entwickelt hat, um seiner Architektur eine am Maß des Menschen orientierte mathematische Ordnung zu geben. Zur Anwendung kommt der Modular in der Wohneinheit von Marseille oder dem Kloster Sainte-Marie de la Tourette, aber man hat Le Corbusier vorgeworfen, dieses System nur aus mathematischer Bequemlichkeit gewählt zu haben.

Ein Mann, ein Werk. FLC, UNESCO und Louvre

Corbusier LC2 weißLe Corbusier hat sich schon zu Lebzeiten darum gekümmert, dass sein Erbe der Nachwelt erhalten bleibt. Die von ihm ins Leben gerufene Fondation Le Corbusier (FLC) verwaltet sämtliche Pläne und Entwürfe, Schrift-, Bild- und Bauwerke und archiviert, konserviert und dokumentiert dessen gesamtes Lebenswerk. Dazu gehört, den weltweiten Baubestand von Le Corbusier systematisch fotografisch zu erfassen. Langfristiges Arbeitsziel der Stiftung ist es, die architektonische und städtebauliche Arbeit von Le Corbusier in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufzunehmen. Le Corbusier selbst würde diese Vorgänge mit Genugtuung beobachten, arbeitet er doch Zeit seines Lebens an seinem eigenen Mythos und betätigt sich als uneingeschränkter Regisseur seiner Lebens- und Werkinszenierung, der stets formell gekleidet und mit dickem Brillengestell auch von sich selbst ein einprägsames Bild schafft. Nach seinem Tod wird er im Innen-Karree des Louvre aufgebahrt. Eine kunstgeschichtlich intensiver aufgeladene Aufbahrung ist in Frankreich kaum möglich. Le Corbusier wird sich gerne dort gesehen haben.

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2 Replies to “Le Corbusier. Möbel für die Ewigkeit”

  1. Sehr sehr schönes Möbel! Schlicht und Zeitlos, die sind wirklich für die Ewigkeit 😉 Besonders gut gefällt mir das Sofa, sieht auch noch super gemütlich aus.

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