Ein großes Jubiläum: 200 Jahre Thonet

Heute erzählen wir Ihnen hier auf unserem Blog ein wenig darüber, was gekochtes Holz mit Fürst Metternich zu tun hat. Nichts, meinen Sie? Es ist zwar schon viele Jahre her, aber eigentlich beginnt damit die Geschichte eines Unternehmens, das bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat.

Vor rund 200 Jahren fing alles an. Im Jahr 1918 gründete Michael Thonet (1796-1871) in Boppard am Rhein eine Bau- und Möbeltischlerei. So wurde der Grundstein für das heutige Unternehmen Thonet gelegt. Von Rheinland-Pfalz in die weite Welt.

Möbeldesign mit langer Tradition

Aber zurück zu den ersten Jahren und dem oben erwähnten gekochten Holz. Michael Thonet experimentierte in den 1830er Jahren mit in Leim gekochten Furnierstreifen. Die Entwicklung neuer Holzbiegetechniken faszinierten ihn. Das mag sich sonderbar anhören und vermutlich fand nicht jeder diese kreative Idee realitätsnah und zukunftsweisend. Aber der Erfolg gab ihm Recht, denn nach vielen Jahren erfand Michael Thonet Möbel aus massiv gebogenem Holz. Nun kommt Fürst Metternich ins Spiel. Der Staatskanzler der kaiser- und königlichen Monarchie interessiert sich für die Experimente des deutschen Tischlers. So holt er Michael Thonet im Jahr 1842 nach Wien. Hier war er an der Ausstattung des Palais Liechtenstein und auch des Palais Schwarzenberg beteiligt. Ein echter Wiener ist auch der Thonet Sessel Nr. 4, den Michael Thonet 1850 auf einer Ausstellung des Niederösterreichischen Gewerbevereins vorstellte. Die Gastronomin Anna Daum verliebte sich direkt in das Modell und bestellte die Stühle als Ausstattung für ihr Kaffeehaus am Wiener Kohlmarkt. Der erste Großauftrag und zugleich der Anfang einer großen Geschichte. Auch ein Hotel in Budapest entschied sich für die Holzstühle aus dem Hause Thonet. 400 Exemplare gingen damals auf die Reise. Das waren die ersten Meilensteine für das Unternehmen. 1859 begann die Produktion des Stuhls Nr. 14. Sie kennen diesen unverkennbaren Klassiker vermutlich eher als „Wiener Kaffeehausstuhl“. Durch die neue Technologie des Holzbiegens konnte dieser Stuhl erstmals industriell hergestellt werden. Sechs Teile, ein paar Muttern, eine handvoll Schrauben – durch die wenigen Einzelteile konnte der Klassiker schon damals Platz sparend und einfach verpackt in alle Welt transportiert werden. 36 Stühle, die auf dem Transportweg nur einen Kubikmeter Raum beanspruchen, sparen nicht nur viel Geld. So gelang Michael Thonet der Durchbruch. Im übrigen sind die Bugholzstühle aus dem Hause Thonet in der damaligen Zeit nicht nur in der Gastronomie weit verbreitet. So kann man einen „Thonet“ auch auf Gemälden und Postkarten aus dieser Zeit finden.

200 Jahre Thonet und noch immer aktuell

Aber nicht nur Holz, sondern auch Stahlrohr ist in unseren Köpfen, wenn Thonet auf dem Programm steht. Die Fertigung von Stahlrohrmöbeln war damals völlig neu. Gefertigt wurden Sie im Thonet-Werk in Frankenberg/Eder, wo seit Ende des Zweiten Weltkriegs der Stammsitz des Unternehmens ist. Das erste Stahlrohrprodukt enstand 1925 in Zusammenarbeit mit Marcel Breuer – das Satztisch-Programm B9.

Im Jahr darauf enstand in Zusammenarbeit mit Mart Stam ein weiterer Meilenstein. Nicht nur für Thonet selbst, sondern auch für die Möbelgeschichte an sich. Der erste Freischwinger – S 33, entstand.

Auch die Klassiker S 32 und S 64 entstanden in dieser Zeit. Die Entwürfe von Marcel Breuer. Klassisches Holz, kombiniert mit dem modernen, gebogenen Stahlrohr. Gepaart mit grandiosen, kreativen Ideen – so entstanden unvergängliche Klassiker, Meilensteine der Designgeschichte.

In 200 Jahren Thonet gab es aber nicht nur gute Zeiten. Der Zweite Weltkrieg ging auch an Thonet nicht unbemerkt vorbei. Die Werke in Osteuropa, die Niederlassung am Wiener Stephansplatz, das Werk in Frankenberg – enteignet, beziehungsweise zerstört. Das Werk im nordhessischen Frankenberg baute Georg Thonet, der Urenkel des Firmengründers, von 1945 bis 1953 wieder auf. Thonet war wieder mit von der Partie. Erst im kleinen Kreis, ab den 1960er Jahren wieder in Zusammenarbeit mit namhaften Designern wie zum Beispiel Prof. Egon Eiermann und Verner Panton.

Unverkennbar und doch nie veraltet

Bis heute wird die Stahlrohrkollektion stetig weiterentwickelt. Neu interpretierte Klassiker gehen so dank bedachter Hände sehr behutsam stetig voran. Thonet selbst sagt über die Klassiker aus eigenem Hause, dass die Möbel keine Museumsstücke sind, sondern lebendige Bestandteile der Kollektion. Für den Alltagsgebrauch konzipiert und verfeinert. Einen „Thonet“ findet man eben längst nicht nur in den Wohnzimmern gut betuchter Sammler. Vielleicht gehören Sie selbst zu der Generation, die sich daran erfreut hat, mit den Fingern in der Geflechtsverspannung unter Ihrem Po herumzuspielen, während eigentlich erwartet wurde, das Sie ruhig auf dem Stuhl sitzen. Damit sind Sie ganz sicher nicht allein. So werden Kindheitserinnerungen wach.

Noch mehr zur 200jährigen Geschichte des Traditionsunternehmens finden Sie auf der Homepage von Thonet direkt. Ausgewählte Klassiker mit den traditionsreichen Löchern auf der Sitzfläche, oder auch ohne und natürlich noch einiges mehr, finden Sie in unserem Onlineshop. 

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